Das zehntürmige Rathaus nebenan das bekannte Hotel Sonne Frankenberg

Kooperationsprojekt

15 Jahre Begegnungsstätte Zeitraum in Frankenberg

Begrüßt wurden sie von Leiter Matthias Grimm, der selbst schon zehn Jahre in der Einrichtung tätig ist, und den Beschäftigten des Zeitraums. „Wir haben hier viel bewegt in den letzten 15 Jahren“, sagte Otto Richter stolz. Über 300 Menschen haben im Zeitraum in dieser Zeit eine sinnvolle Aufgabe gefunden. „Damals war es ein Novum, dass eine Stadt ein solches Wagnis auf sich genommen hat“, so Richter weiter.

Die Begegnungsstätte ist eine Arbeitsgelegenheit für Langzeitarbeitslose. Die Idee: Die Teilnehmenden betreuen eine Begegnungsstätte, die dann anderen Menschen mit kleinem Einkommen als Treffpunkt und Anlaufstelle zur Verfügung steht.

„Den Zeitraum zu gründen war eine wunderbare Idee“, erklärte Bürgermeisterin Eckes. „Wir unterstützen das gerne weiter. Der Zeitraum ist eine große Bereicherung für die Stadt.“ Das bestätigte auch Anleiter Grimm: „Für viele der Teilnehmenden ist der Zeitraum eine Art von Zuhause geworden.“ Auch die Teilnehmenden selbst äußerten sich entsprechend: „Ich finde es toll, dass es den Ort überhaupt gibt“, bekräftigte eine Teilnehmerin. Ein weiterer habe sich „mit der Hilfe des Zeitraums wieder gefangen.“

Das Konzept des Zeitraums ist besonders: Aktuell zwölf Langzeitarbeitslose arbeiten, unterstützt von einem Anleiter, zwischen 20 und 30 Wochenstunden im Zeitraum und erhalten für ihre Tätigkeit eine Aufwandsentschädigung. Dabei können sie eigene Ideen mit einbringen und auch umsetzen. Die Tätigkeit unterstützt Menschen dabei, aus der Einsamkeit herauszufinden, neues Selbstvertrauen zu gewinnen und sich wieder auf den Arbeitsmarkt vorzubereiten. Der Betrieb wird in zwei Schichten organisiert, so dass der ZeitRaum Montag, Dienstag, Donnerstag und Freitag von 9 Uhr bis 15 und am Mittwoch von 13 bis 15 Uhr geöffnet ist. 

Im ZeitRaum finden die Besucher nicht nur Raum für ein entspanntes Gespräch, auch ein PC steht für das Schreiben von Bewerbungen zur Verfügung. Die Mitarbeitenden sind oft mehrsprachig und unterstützen bei dem Stellen von Anträgen oder dem Umgang mit Ämtern.

So ist der ZeitRaum ein Gegenentwurf zur gesellschaftlichen Isolation, die Menschen mit kleinem Einkommen erfahren, und ein Ort gegen Einsamkeit und das Gefühl des Ausgegrenztseins. Nach dem Frankenberger Vorbild entstanden im Nachgang auch die Begegnungsstätten in Korbach, Bad Arolsen und Bad Wildungen.

Das Aufgabengebiet selbst hat sich in dieser Zeit gewandelt. War anfangs das Schreiben klassischer Bewerbungsunterlagen und das Ausfüllen von Papieranträgen täglicher Bestandteil der Tätigkeit, geht es nun häufiger um Unterstützung bei Online-Bewerbungen und dem Nutzen von Behörden-Apps.

Eine Veränderung hat in den 15 Jahren auch bei den Menschen stattgefunden, die den ZeitRaum aufsuchen: Waren es in den Anfangsjahren vor allem ältere Arbeitslose, sind es in Folge der jüngsten Kriege immer mehr Menschen mit Migrationshintergrund, die Hilfe beim Ankommen in Deutschland benötigen. Über die Jahre hinweg geblieben ist die Dankbarkeit der Besucher über die Hilfe, die ihnen hier zu Teil wird.