Gelungene Beispiele in Frankenberg (Eder)

„Eigentlich war ich ganz gerne Mieter“ sagt Michael Schulz. Bis sein Vermieter ihm anbot, das ganze Haus zu kaufen. Die Lage in der Frankenberger Altstadt war für ihn optimal, und so kaufte er das Haus samt Garage auf dem angrenzenden Grundstück. Im Laufe der Jahre, in denen er das Haus bereits als Mieter bewohnt hatte, hatte Schulz bemerkt, dass die Wände nicht nur für den Schall auf der Straße sondern auch für die Wärme sehr durchlässig waren.

Auch die Elektrik und weitere Haustechnik war veraltet. Zudem waren das Erdgeschoss, Teile der Decke und des Fachwerks großflächig vom echten Hausschwamm befallen.

Für andere potentielle Käufer wären das wohl Gründe genug, die Finger von diesem Objekt zu lassen. Doch Michael Schulz, von Beruf Architekt und Energieberater für historische Bausubstanz, nahm sich des Liebhaberobjektes an und sanierte es über einen Zeitraum von mehreren Jahren.

„Den Hausschwamm aus dem Haus zu bekommen beziehungsweise in der Mauer einzuschließen, hat lange Zeit mit sorgfältigster Arbeitsweise gebraucht“, erläutert Michael Schulz. Da er auch Zimmerer ist, konnte er die neuen Deckenbalken und Fachwerkhölzer selber einbauen und so einige Handwerkerkosten sparen.

Nach dem Rückbau konnte der Wiederaufbau erfolgen. Die Toiletten - noch auf dem Treppenhaus - wurden in die Wohnungen integriert. Eine Kellerwand wurde aufgegraben und mit Schweißbahn abgedichtet und eine neue Abwasserleitung wurde mit verlegt.

In den Wohnungen wurden die Zimmer neu aufgeteilt, um moderne Grundrisse zu ermöglichen. Die Fußböden im Erdgeschoss sind mit einer 16 cm starken Wärmedämmung versehen worden. Im Obergeschoss wurde neuer Gussasphaltestrich auf Trittschalldämmung verlegt. Die schönen alten Innentüren mit Glasausschnitten sind aufgearbeitet und neu lackiert worden.

Wegen der Lage in der Altstadt besteht für die Fassaden Ensembleschutz. Daher wurde beim Austausch der Fenster die untere Denkmalschutzbehörde mit eingebunden. Es sind Holzfenster mit Sprossen eingebaut worden, die 2-Scheiben-Wärmeschutzglas haben. Schulz: „Lediglich die Schaufenster wurden mit 3-Scheiben-Wärmeschutzglas versehen, da diese auch besser gegen Schall dämmen.“

Auch aufgrund des Ensembleschutzes musste (und sollte) das Fachwerk sichtbar bleiben, weswegen die Außenwände von Innen gedämmt werden mussten.

Als Innendämmung entschied sich Michael Schulz für Mineralwolle, mit einer dann notwendigen Folie davor. Dafür musste der Untergrund, also der vorhandene Lehmputz, von Tapeten und Kleister befreit und - wo nötig - ausgebessert werden. „Dies wurde mit reinem Trasskalk-Putz gemacht, da dieser das Wasser aus der Tauebene am schnellsten aufnehmen und verteilen kann. Gipsputz ist zwar viel einfacher zu verarbeiten, wegen seiner Empfindlichkeit für Feuchte aber ungeeignet. Glücklicherweise fand ich einen Mitarbeiter, der den Putz verarbeiten konnte und die nötige Geduld hatte, die Dämmwolle sauber einzubauen und die Folie luftdicht an alle Bauteile anzukleben“, erklärt der Bauherr. Gerade bei diesen Arbeit müsse mit größter Sorgfalt gearbeitet werden, welche mancher Hand- oder Heimwerker nicht aufbringen könne oder wolle.

Die 8 cm starke Dämmung wurde im Erdgeschoss mit Lehm- und im Obergeschoss mit Kalkputz versehen. Um die notwendige Lüftung der Räume sicherzustellen, hat Michael Schulz eine Zu- und Abluftanlage eingebaut. Die vielen Kamine boten Platz für die Kanäle. An einem Kamin hängt die neue Gastherme im Keller, die nur noch 16 kW leisten muss. „Der alte Kessel brummte noch konstant mit 25 kW durch“, bilanziert Schulz.

Nachdem auch die Bäder neue Sanitäranlagen und Fliesen bekamen, konnten die ersten Mieter einziehen. Sie sind begeistert von den hohen Räumen und den hellen Zimmern. „Diese tolle Architektur des Gründerzeithauses haben mich im Laufe der anstrengenden Sanierung immer wieder bestätigt, das Richtige zu tun und mir die Energie gegeben, es heute nicht schlechter zu machen als die Erbauer von gut 100 Jahren“, sagt Michael Schulz abschließend. Der Architekt und Energieberater kann dieses schöne alte Haus später seinen Kindern übergeben - technisch als Neubau und optisch als Schmuckstück.